Leserbriefe

Leserbrief BaZ: Einspruch Fataler Trugschluss

 

Der überstürzte, parteiideologisch beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie wird sich zum «Energiekosten-GAU» entwickeln (BaZ 7. 11. 12: Streit um Kosten der Energiewende). Gemäss der Studie des Instituts für Wirtschaftsstudien Basel («Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Energiestrategie 2050 des Bundesrates», März 2012) werden sich Energiekosten mit diesem bundesrätlichen Szenario exorbitant erhöhen. So dürfte der Verbleib von Industriezweigen mit stromintensivem Verbrauch wirtschaftlich nicht mehr gerechtfertigt sein. Abwanderung ist nicht aufzuhalten sie können kaum durch neue Firmenansiedlung gleichwertig ersetzt werden. Wirtschaftliche Folgen sind nicht absehbar, Zulieferbetriebe stehen vor der Existenzfrage. Höhere
Strompreise für private Haushalte führen zu einem Kaufkraftverlust, der sich auf andere Konsumgüter auswirkt, also Konsumverzicht nach sich zieht. Beim Ansteigen der Energierechnungen
der Güterproduzenten belasten diese die höheren Strompreise und überwälzen sie auf Güterpreise. Höhere Strompreise wirken sich auf eine Vielfalt von Haushaltstypen aus. Besonders betroffen: Single-Haushalte mit hohem Stromverbrauch pro Kopf, zum Beispiel Rentner.
 
Die bundesrätliche Energieberechnung, dass bei Verteuerung des Strompreises der Stromverbrauch (in der Annahme, dass alle ausser den vorher genannten Rahmenbedingungen gleich
bleiben) fast halbiert werden kann, ist ein fataler Trugschluss. Alle Energiesparvisionen, die in «erneuerbaren» und «nichterneuerbaren» Kategorien denken, sind zum Scheitern verurteilt, weil sie zu sehr einengen und falsche Massstäbe ansetzen. Eine seriöse Debatte muss sich von solchen Denkmustern lösen und wissenschaftlich die Vor- und Nachteile der verschiedenen Energieformen beinhalten. Welche Energien erzeugen am wenigsten CO2 pro nutzbare Kilowattstunde? Dieses «CO2-Äquivalent» muss über die ganze Lebensdauer und alle Aspekte des Energieerzeugers ermittelt werden. Keine leichte Aufgabe. Mit welchem Energiemix hat ein Land die geringste Abhängigkeit vom Ausland? Welcher Mix erzeugt am wenigsten Landverbrauch? Dies muss definiert sein. Keine Subventionen von Energien, bevor nicht klar ist, wohin der Weg führt. Dezentrale Höhere Strompreise für Privathaushalte führen zu Konsumverzicht. Single-Haushalte sind besonders betroffen. Energieerzeugung ist sicher begrüssenswert. Doch muss man sich darüber klar sein, dass eventuell eine zweite Infrastruktur (Netze) aufgebaut werden muss, um allfällige Stromausfälle zu
kompensieren. Diese Zusatzinfrastruktur ist naturgemäss wenig ausgelastet, muss jedoch die volle Leistung bringen und kostet entsprechend. Hybridfahrzeuge werden gelobt als besonders energiesparend. Doch ist man sich nicht bewusst, dass sie über zwei Antriebssysteme verfügen, die hergestellt und entsorgt werden müssen. Das Fahrzeug wird schwerer, was mehr Energie erfordert. Hat jemand die Ökobilanz solcher Fahrzeuge betrachtet? Wohl das einzige Kriterium ist der Benzinverbrauch. Wie aber soll zusätzlicher Strom dafür hergestellt werden? Dass Solarzellen eine klar schlechtere CO2-Bilanz aufweisen als der Schweizer Strommix, ist kaum bekannt. Wenn nun CO2 der effektive Klimawandler ist, warum werden überhaupt noch Solarzellen hergestellt?
Mit einer Gesamtbetrachtung lässt sich eben schlecht Politik machen. Da eignen sich positive Schlagworte besser.
 
Egidio Cattola ist Vorstandsmitglied der SVP Riehen und pensionierter Elektrokontrolleur, früher spezialisiert auf Chemieanlagen.
Egidio Cattola, Riehen
Leserbrief BaZ, 26.11.2012