Leserbriefe

Leserbrief BaZ: Gas fliesst auch in der Krise

Wem kann und soll geglaubt werden? Der EU-Energiekommissar Oettinger befürchtet wegen des Ukraine-Konflikts einen Gas-Engpass für den bevorstehenden Winter in den EU-Ländern. Das Departement für Umwelt, Energie, Verkehr und Kommunikation (UVEK) berichtet nach ihrer Einschätzung in einer Risikobewertung des Gaskrisenmanagements, dass kein Lieferengpass für die schweizerischen Kunden in diesemWinter zu erwarten sei. Wenn sie sich da nur nicht täuscht. Das UVEK verkündet in seinem Bericht, «Gas fliesst auch in der Krise, Versorgung gewährleistet», und aus Brüssel warnt die EU vor einem kalten Winter und es geht die Angst herum, dass das Gas knapp wird.
 
Wird mit dieser Meldung der Bevölkerung wieder einmal mehr Sand in die Augen gestreut? Wenn die Krise weiter eskaliert, was anzunehmen ist, werden die Russen der EU den Gashahn abdrehen, was die Gasmengenlieferung drastisch reduziert. Ob wir in der Schweiz dann noch genügend Gas erhalten, weil ja die EU auch von dem Lieferengpass betroffen ist, ist kaum zu erwarten. Bekanntlich steht einem das eigene (EU)Hemd näher als das der anderen (CH).Wenn die EU und wir in der Schweiz in eine kurze, aber wirklich schmerzende Energiekrise – eine Krise, die nicht einfach mit ein paar «autofreien Sonntagen» zu überwinden ist – blind hineintappen, könnte es aber auch einen positiven Nebeneffekt geben. Das könnte uns wachrütteln und uns über unsere Achillesferse (Energieversorgung!) bewusst werden lassen. Es muss wirklich so schmerzen, dass die Deutschen sich gezwungen sehen, «vorübergehend» ihre abgestellten Atomkraftwerke hochzufahren. Das könnte bei so manch fehlinformiertem Utopisten und manch desinformiertem grünem Träumer für ein Aha-Erlebnis sorgen … hoffentlich.
 
Egidio Cattola, Riehen
Leserbrief BaZ; 30.08.2014