Leserbriefe

Leserbrief BaZ: Von Mixed-Energie und Mischwein / Atomfrei soll zum Standard werden

Die Elektra Baselland (EBL) wirbt für Grün-Strom: Hydro, Solar, Windgreen. Aber wenn die EBL hundertprozentige erneuerbare Elektrizität verkaufen will,
muss sie alle Elektroleitungen zu AKW kappen, für immer stilllegen. Ebenso restriktiv dürften unsere Pumpen, die unsere Pumpspeicherseen während der
Nacht auffüllen, nur noch mit Grün-Strom betrieben werden.
 
In der Schweiz wurden 2010 rund 2,5 TWh (1 Terawattstunde TWh = 10’” = 1 Billion-Wattstunden) Elektrizität für Speicherpumpen aufgewendet (davon 1,6 TWh im Sommerhalbjahr). Die Herkunft dieses Stroms lässt sich nicht genau ermitteln. Da Pumpen zur Auffüllung der Pumpspeicherseen vor allem nachts und am Wochenende laufen, ist davon auszugehen, dass der Strom für Pumpenantriebe vor allem aus Grundlastkraftwerken erzeugt wird. In der Schweiz: Laufwasser- und Kernkraftwerke. In Deutschland und Frankreich, woher die meisten Stromimporte stammen: Kohle- und Kernkraftwerke.
 
Ein Vergleichsbeispiel für Mixed-Energieerzeugung: Ein Bottich (Pumpspeichersee) wird mit Merlot (CH), Bordeaux (F), Rioja (Spanien, Solarstrom), und Mosel (D) gefüllt. Gezapft wird immer der gleiche Saft. Je nach Kundenwunsch und zu unterschiedlichen Preisen wird aus einzelnen Zapfstellen, die mit Merlot, Bordeaux, Rioja oder Mosel gekennzeichnet sind, immer der gleiche Saft verkauft. Nachgefüllt wird je nach Verfügbarkeit mit einer weiteren Weinsorte. – Mit dieser Art von Mixed-Stromerzeugung wird auch nach 2029 der als «atomstromfrei» deklarierte EBL-Strom einer Grünwaschung durch Pumpspeicherung mit KKW- und Kohlestrom unterzogen. Durch Zertifizierung («naturmade basic» oder «star») wird der Atom-Kohlestrom nicht grüner. Zu erwarten wäre die korrekte Information der Kunden. Dass es im EBL-Stromnetz nach 2029 keinen Atom- oder Kohlestrom mehr gibt, ist nicht nachvollziehbar.
 
Egidio Cattola, Riehen
Leserbrief BaZ 24. 8. 11